Typische Kinderkrankheiten im Überblick: Ratgeber für Eltern
Text: DRK Elterncampus Foto: Canva
Fieber, Ausschlag oder bellender Husten? Typische Kinderkrankheiten gehören zum Großwerden dazu, verunsichern Eltern aber regelmäßig. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Symptome wirklich gefährlich sind, wie du dein Kind am besten begleitest und wann der Gang zum Kinderarzt unumgänglich ist.
Der Anruf aus der Kita oder das plötzliche Glühen der Kinderstirn am späten Sonntagabend – bei fast allen Eltern schrillen sofort die Alarmglocken. „Hat mein Kind Fieber? Ist das ansteckend? Muss ich direkt zum Kinderarzt?“ Besonders in den ersten Lebensjahren sind typische Kinderkrankheiten ein Dauerthema in vielen Familien.
Das Immunsystem deines Kindes leistet in dieser Zeit Schwerstarbeit: Jede durchgemachte Infektion ist ein wichtiger Baustein für ein starkes Abwehrsystem im späteren Leben. Wenn dein Kind jedoch krank ist, Punkte am Körper hat oder weint, wünschst du dir vor allem verlässliche Informationen und Orientierung. In diesem Ratgeber erfahren Eltern alles Wichtige über typische Kinderkrankheiten, ihre Symptome und wann der Gang in die Klinik oder Praxis notwendig ist.
Fieber bei Kinderkrankheiten: Ein wichtiger Helfer des Körpers
Bevor wir die häufigsten typischen Kinderkrankheiten betrachten, lohnt sich ein Blick auf das häufigste Begleitsymptom: Fieber. Aus medizinischer Sicht ist Fieber keine eigene Krankheit, sondern eine effektive Abwehrreaktion des Körpers. Wenn die Körpertemperatur steigt, bekämpft das Immunsystem Krankheitserreger besonders wirksam.
Bei der Behandlung gilt der Grundsatz: Behandle dein Kind, nicht das Thermometer. Spielt ein Kind trotz 39,5 Grad Fieber friedlich, sind fiebersenkende Mittel meist gar nicht nötig. Ist es jedoch schmerzgeplagt, weinerlich oder trinkt zu wenig, unterstützen altersgerecht dosierte Zäpfchen oder Säfte (Paracetamol oder Ibuprofen).
Wichtig für Eltern: Bei Babys unter drei Monaten ist rektal gemessenes Fieber ab 38,0 Grad immer ein Grund, sofort eine Kinderarztpraxis oder den Notdienst aufzusuchen.
5 typische Kinderkrankheiten im Überblick
Ob in der Kita oder im Kindergarten: Einige Infektionen treten im Kindesalter besonders häufig auf. Hier sind die bekanntesten typischen Kinderkrankheiten und ihre Merkmale:
1. Windpocken (Varizellen)
Windpocken gehören zu den bekanntesten typischen Kinderkrankheiten. Sie beginnen meist mit leichtem Fieber und juckenden roten Flecken, die sich schnell in flüssigkeitsgefüllte Bläschen verwandeln. Typisch ist das schubweise Auftreten: Am Körper sind gleichzeitig Flecken, Bläschen und verkrustete Stellen zu sehen („Sternenhimmel“).
Ansteckung: Sehr hoch über Tröpfchen- und Schmierinfektion.
Behandlung: Juckreizstillende Lotionen lindern die Beschwerden. Das Kratzen sollte vermieden werden, um Narben und Bakterieninfektionen vorzubeugen.
2. Hand-Fuß-Mund-Krankheit
Diese hochansteckende Viruserkrankung verläuft bei Kindern meist harmlos. Symptome sind schmerzhafte Bläschen im Mund, an den Handinnenflächen und den Fußsohlen. Die kleinen Aphten im Mund erschweren oft das Schlucken.
Tipp: Kalte Getränke, Joghurt oder Eis erleichtern das Trinken und Essen bei Schmerzen im Mundraum.
3. Dreitagefieber
Das Dreitagefieber ist eine typische Kinderkrankheit bei Babys und Kleinkindern zwischen dem 6. und 36. Lebensmonat. Die Körpertemperatur steigt schnell auf über 39 oder 40 Grad und bleibt etwa drei Tage lang hoch. Am vierten Tag fällt das Fieber rasch ab und es zeigt sich ein blassrosa Ausschlag am Rumpf, der nach wenigen Tagen von selbst abklingt.
4. Scharlach
Scharlach unterscheidet sich von vielen anderen Krankheiten im Kindesalter, da es sich um eine bakterielle Infektion (Streptokokken) handelt. Typische Anzeichen sind plötzliche Halsschmerzen, hohes Fieber, eine rote „Himbeerzunge“ sowie ein feinfleckiger Hautausschlag.
Behandlung: Scharlach wird in der Regel mit Antibiotika behandelt. Nach Beginn der Einnahme ist das Kind meist nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend.
5. Pseudokrupp
Ein bellender Husten und Atemgeräusche beim Einatmen – Pseudokrupp-Anfälle treten meist nachts auf. Ursache ist eine virale Entzündung der Schleimhäute im Kehlkopfbereich.
Erste Hilfe am Kind: Ruhe bewahren und frische, kühle Luft zuführen (z. B. am geöffneten Fenster), da dies das Abschwellen der Schleimhäute unterstützt.
Wann musst du bei Kinderkrankheiten zum Arzt?
Neben den typischen Infekten gibt es kritische Warnsignale, bei denen du nicht abwarten solltest. Achte besonders auf folgende Anzeichen:
Atemnot: Atmet dein Kind ungewöhnlich schnell, zieht sich die Haut am Brustkorb oder Hals beim Luftholzen ein oder blähen sich die Nasenflügel auf? Solche Atembeschwerden treten häufig bei Pseudokrupp oder schweren Atemwegsinfekten auf und erfordern umgehend ärztliche Hilfe.
Apathie und extreme Trägheit: Reagiert dein Kind kaum noch auf deine Ansprache, wirkt teilnahmslos oder ungewöhnlich schlaff, kann ein sehr hohes Fieber oder ein schwerer Infekt dahinterstecken. Gehe in diesem Fall sofort zum Kinderarzt oder zum Notdienst.
Flüssigkeitsmangel (Dehydration): Wenn dein Kind über mehrere Stunden keine nasse Windel mehr hat, beim Weinen keine Tränen fließen oder der Mund ganz trocken ist, droht eine Austrocknung – meist durch Fieber, Erbrechen oder Durchfall. Das muss ärztlich abgeklärt werden.
Fieber bei Säuglingen: Babys unter drei Monaten haben noch ein sehr unreifes Immunsystem. Zeigt das Thermometer rektal gemessen 38,0 °C oder mehr, solltest du direkt eine Kinderarztpraxis oder Klinik aufsuchen.
Wie Eltern bei typischen Kinderkrankheiten gelassen bleiben
Es ist völlig verständlich, dass Krankheitssymptome beim eigenen Kind Unsicherheit auslösen. Mit jeder überstandenen Infektion gewinnen Eltern jedoch mehr Erfahrung im Umgang mit typischen Kinderkrankheiten. Du lernst die Signale deines Kindes besser zu deuten und erkennst schneller, wann Ruhe und Tee ausreichen und wann medizinische Unterstützung nötig ist.
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